Warum erzähle ich diese Geschichte
Der Tag beginnt wie ein normaler Tag am Wochenende, doch von einer Minute zur anderen ist alles anders. Die überwältigende Macht der Unsicherheit machte Angst, wir steckten im Chaos, schalteten einen Automatismus ein, der erst einmal auf Überleben getrimmt war. Freunde wagen sich sofort in eine ungewisse Zukunft indem sie, wohl geleitet von einem tiefen Vertrauen, den Mut aufbringen und sofort handeln. Bei uns war dieses starke Urvertrauen nicht sofort vorhanden, es hat ein paar Tage gedauert, bis es sich herauskristallisiert hat. Als es sich aber so groß und mächtig gezeigt hat, konnten wir nicht anders als diesem Impuls zu folgen. Das kann einem niemand abnehmen, niemand kann sagen, dass er Verantwortung für einen anderen hätte, weil wir nur die Verantwortung für unser Handeln selber tragen können. Und es war richtig was wir getan haben, denn immer, wenn wir in einer aussichtslosen Situation feststeckten, kam eine Lösung aus dem Nichts. Es war sofort jemand da, der uns weitergeholfen hat, ohne dass wir das vorher planen konnten. Es war eine Führung aus einer höheren Instanz die wir uns bis dahin nicht vorstellen konnten. Und so dramatisch diese Situation auch war, diese Erfahrung war so gewaltig und hat uns alle zu einem neuen Denken gebracht.
Aber woher kommt dieses Vertrauen, haben wir es immer in uns oder ist es eine Energieströmung die im Universum ist. Das muss jeder für sich selber herausfinden, intensiv fühlen und sich dessen bewusst werden. Fakt ist jedoch, es gibt dieses starke Vertrauen kombiniert mit mutigem Handeln, und wir können es in Anspruch nehmen. Ist es das was wir Gott nennen oder haben wir diese göttliche Energie, dieses göttliche Bewusstsein tief in uns und nehmen es nie oder viel zu selten in Anspruch? Und zeigt sich diese Kraft nur, wenn wir einer aussichtslosen Situation eingezwängt sind? Oder können wir diese Superkräfte auch in kleineren Dosen erfahren und uns dessen bewusst werden?
Ich/Wir haben erfahren, dass es sie gibt und ich wünsche jedem, dass er dieses Kraftpotential kennenlernt. Ob im Großen oder Kleinen, das bleibt wohl eine ganz persönliche Sache. Und der Vorteil ist, wenn es eine kleinere Dosis ist, ist es auch nicht so gefährlich und ultimativ.
Liebe Leser, ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen, dass Sie diese Kraft auch bei sich selbst entdecken, nämlich dann wenn Sie die Angst überwinden. Wenn die Kraft der Antwort in Ihrem Inneren stärker ist als Unsicherheit und Angst.
Meine Geschichte
Kuwait, 02. August 1990
Strahlender Sonnenschein und ein tiefblauer Himmel, begrüßten mich wie fast jeden Morgen in den letzten sechs Jahren. Außentemperatur morgens schon bei 30 Grad und es würde sich noch steigern, also besser keine Fenster öffnen, die Klimaanlage wird es richten.
Es war Wochenende, trotzdem standen wir früh auf, mein Mann hatte Termine in der Stadt und unser Sohn vier Jahre und unsere Tochter eindreiviertel waren sowieso Frühaufsteher. Also nichts wie raus aus den Federn. Mein Mann los Richtung Tiefgarage zum Auto und ich hab mir mein morgendliches Workout Video vorgenommen. Die Kinder waren natürlich gleich zur Stelle um mich begeistert und tatkräftig bei meiner sportlichen Betätigung zu unterstützen. Mit ihrem zusätzlichen Körpergewicht, indem sie sich auf meinen Bauch oder Rücken legten unterstützen sie meinen Muskelaufbau indem ich mich mehr anstrengen musste. Zusätzlich versuchten sie die Intensität meiner Übungen zu steigern indem sie sich an meinen Armen und Beinen festklammerten. Und ja, es gelang ihnen ganz gut! Aber wir hatten auch viel Spaß dabei und gestalteten manche Übungen ganz spontan und kreierten sie neu.
Plötzlich klingelte es an der Tür, als ich öffnete stand ein Arbeitskollege meines Mannes vor mir, kreidebleich, verschwitzt und völlig aufgelöst.
„Was machst Du da? Und wo ist Dein Mann?“ Hast Du noch keine Fenster geöffnet und nach draußen geschaut? Wir sind im Krieg!
Das saß!
Ich wusste gar nicht wie mir geschah und was ich machen sollte. Vor allem, was war mit meinem Mann, der ja wohl auf dem Weg zum Zentrum des Kriegsschauplatzes war.
Panikartig packte ich zwei Koffer mit dem wichtigsten Dingen, die mir in der Eile so einfielen und für jedes Kind einen kleinen Rucksack mit den Dingen an denen ihr Herz am meisten hing.
Für mich, Pässe, Geld, Schmuck, Windeln für die Kinder, Essensrationen und natürlich viel Wasser. Aber wo war mein Mann?
Nach langen drei Stunden kam mein Mann Gott sei Dank zurück, genauso schockiert und ich spürte, dass auch ihm die Angst und Unsicherheit im Nacken saß.
Was jetzt?
Die anderen zwei Arbeitskollegen, einer hat auch mit Familie da gelebt, zwei Jungs im gleichen Alter wie unsere und ein Kollege der allein da lebte. Wir alle wohnten im selben Wohnkomplex also trafen wir uns erst einmal mit ihnen um zu beraten, was wir als nächsten tun würden. Bald kam eine schwedische Familie dazu und ein langjähriger britischer Freund, der zu der Zeit allein da war, weil seine Familie die Ferien in England verbrachten.
Die Telefonverbindung war gekappt, Handys gab es noch keine und wir konnten nur in unserem näheren Umfeld telefonieren oder indem wir uns persönlich getroffen haben.
Wichtig war jetzt zuerst einmal Essens- und Wasservorräte anzulegen, sowie eine gewisse Benzinmenge sicherzustellen. Das alles gestaltete sich wesentlich schwieriger, weil die Einkaufsmenge in den Supermärkten reduziert wurde und an den Tankstellen sich elendslange Schlangen bildeten. Am zweiten Tag verabschiedete sich die schwedische Familie zusammen mit einem Arbeitskollegen meines Mannes, die sich mit dem Auto in Richtung Bahrein auf den Weg machten. Niemand wusste ob sie es schaffen würden oder was ihnen auf dem Weg dahin passieren würde.
Wir hatten den Mut für diesen Weg noch nicht. Wir machten uns viel zu viele Gedanken was passieren könnte, wenn wir durch die Wüste müssen und zwei (zusammen vier) kleine Kinder dabei hatten. Ein Angehöriger der Deutschen Botschaft kam jeden Tag einmal vorbei um zu sehen wie es uns ging, jedoch auch er oder die Deutsche Botschaft konnten etwas für uns tun. Allen waren die Hände gebunden.
So gründeten wir am dritten Tag eine Wohngemeinschaft, denn wenn wir jetzt aus unseren Fenstern schauten, konnten wir beobachten, wie immer mehr Soldaten und Panzer in unserer Wohngegend patrouillierten, sich strategisch positionierten und Kanonen auf unser Wohngebäude richteten. Wir konnten unsere Wohnung so gut wie nicht verlassen, auch mit den Kindern nicht und dann waren sie da, die Soldaten, in unserem Wohnkomplex, sie fingen an die Wohnungen zu durchsuchen.
Auf einmal war da ein Gefühl, das ich bis dahin so nicht gekannt hatte – Angst –
Noch nie in meinem Leben hatte so eine Angst verspürt. Sie packte mich tatsächlich zuerst im Nacken, eisig kalt! Als nächstes fühlte ich wie sie sich in mir ausbreitet, jedes andere Gefühl wich zurück und übrig bliebt etwas das so unfassbar war wie ein grauenvoller Sog gegen den ich nichts ausrichten konnte. Ab jetzt war ich wie in einer Art Trance gefangen. Ich funktionierte nur noch. Ich machte alles was notwendig war aber die Gefühle waren ausgeschaltet.
Als wir dann am vierten Tag über die Botschaft erfuhren, dass die Schweden und der Kollege gut über die Grenze gekommen sind und mit dem Flugzeug auf dem Nachhauseweg waren, gab uns das neuen Mut.
Wenn sie das geschafft haben, können wir das auch!
In dieser Nacht zu unserem fünften Tag in den Kriegswirren passierte etwas ungewöhnliches. Ich brachte unsere Kinder ins Bett, sang mit ihnen Einschlaflieder und versuchte alles so gut möglich normal weiterzuführen. Als sie schliefen, blieb ich neben ihnen liegen und fing an zu beten. Alles was mir einfiel bis ich irgendwann merkte, dass sich eine unglaubliche Ruhe in mir ausbreitete. Plötzlich spürte ich ein Erdbeben. Es war kurz und intensiv und dann war da dieser Gedanke in meinem Kopf der sich so ausbreitete, dass ich nichts anderes mehr denken konnte: „Morgen früh gehen wir aus diesem Land, es wird zwischendurch schwierig sein aber wir schaffen es.“ Dieser Gedankengang war so präsent und rüttelte mich auf. Ich ging ins Wohnzimmer wo die Männer zusammensaßen und verkündete meinen Vorschlag. Sie nickten nur und meinten, genau das gleiche hätten sie gerade gedacht. Dann kam die Frau des Kollegen aus ihrem Schlafzimmer und sagte: „ich dachte gerade, dass wir morgen früh fahren sollten und es wird gut werden.“
Und ja, so war es dann auch. Wir packten die wichtigsten Dinge zusammen und in unser Auto, es war damals ein ganz normaler Pkw und los ging´s.
Es war leider nicht mehr so einfach wie bei der schwedischen Familie. Zwischenzeitlich waren überall Panzer positioniert und alle Straßen waren gesperrt. Das ganze Land war auf der Straße, alle wollten das Land verlassen und alle wurden an den Straßensperren zurückgeschickt. Es war eine riesige nicht enden wollende Autoschlange die sich durch das ganze Land gewunden hat, und wir mitten drin. Wie sollte das gelingen?
Aber für uns gab es nur einen Weg!
An der Panzerabsperrung angekommen bedeuteten uns zwei Soldaten mit ihrem Gewehr, wir sollten die Fenster aufdrehen. Wir gehorchten und gaben ihnen zu verstehen, dass wir „Almanis“ waren, nach Saudi Arabien wollten und von dort zurück nach Deutschland. Wir versuchten ihnen zu verstehen zu geben, dass das nicht unser Krieg sei und wir nichts damit zu tun hätten.
Dann lachten sie, machten den Weg frei und ließen uns weiterfahren. Am Morgen unserer Abreise hatte sich uns noch ein Deutsch/Ägyptisches Ehepaar angeschlossen. Sie wurden zurückgewiesen. Die deutsche Frau durfte bei uns mitfahren aber Ihr Ehemann musste umkehren. Wieder ein Tiefschlag, den erst einmal verkraften mussten und trotzdem weitergehen. Es war ein sehr seltsames Gefühl, wir allein auf der Autobahn. Niemand weit und breit und keine anderen Autos. Aber das sollte nicht lange so sein, die nächste Straßensperre wartete schon auf uns. Wieder dasselbe Spiel, und vor allem, wie seid Ihr hierhergekommen? So gut es ging kramten wir unsere Arabischkenntnisse aus und gaben ihnen zu verstehen, dass wir nach Saudi Arabien wollten. Oh Wunder, es klappte. Sie ließen uns weiterfahren.
An der Grenzstation Nuwaisib in Kuwait zu Saudi Arabien angekommen, sah es dann auf einmal anders aus. „Weg hier, weg hier!“ wurde nur geschrien, die Panzer ratterten lautstark los und die Kanonen wurden auf uns gerichtet.
Wir haben gleich Schießbefehl, Ihr müsst weg hier. Geht zurück!
Nein, dachten wir das kann nicht sein. Schockiert und niedergeschlagen drehten wir auf der Autobahn um und fuhren zurück Richtung Kuwait Stadt, bis wir außer Sichtweite der Soldaten waren. Wir stoppten mitten auf der Autobahn und stiegen aus um uns zu beraten. Wir wussten, wir können nicht zurück! Aber was nun? Manchmal hatte ich das Gefühl, dass alle Gefühle betäubt sind und ich einfach nur funktioniere wie ein Roboter. Etwas sagte in mir: „Macht weiter, gebt nicht auf.“ Und wie wir noch da standen und keine Idee hatten wie es weitergehen sollte, tauchte mitten in der Wüste ein Auto auf und kam geradewegs auf uns zugefahren. Bald konnten wir erkennen, dass es ein Kuwaiti war, und neben uns hielt er seinen Wagen an und stieg aus. Wir erklärten ihm unsere Situation und er meinte:“ Seht ihr dort den Punkt? Dabei zeigte er mit dem ausgestreckten Arm in die Wüste. Wenn Ihr es schafft bis dort hinzukommen, habt ihr es geschafft. Das ist eine Kamelstation der Saudis, die nehmen Euch auf und zeigen Euch, wie Ihr nach Saudi Arabien einreisen könnt.
Also nichts wie los! Mit unseren Pkws geradewegs in den heißen Wüstensand. Natürlich konnte das nicht lange gut gehen. Trotz gutem Wüsten Fahrtraining blieben wir mit unseren Autos nach ungefähr der Hälfte im tiefen Sand stecken und kamen keinen Zentimeter weiter. Was jetzt? Mit den kleinen Kindern in der Hitze der Wüste in der prallen Sonne. Aber für Angst oder Hysterie war keine Zeit. Mein Mann begann sofort Luft aus den Reifen zu lassen. Dann ging es zwar weiter aber leider brachte das nicht den erwünschten Durchbruch. Wir steckten bald wieder fest. Und dann passierte wieder etwas unglaubliches.
Es kam ein Geländewagen angefahren und hielt neben uns. Es war der Ägyptische Ehemann, von unserer Weggefährtin der bei der ersten Kontrolle auf der Autobahn zurückgeschickt wurde.
Irgendwie hatte er es geschafft in die Wüste abzubiegen und hat uns hier wiedergefunden. Nur Gott weiß, welche Wege zusammenführen, genau zum richtigen Zeitpunkt. - Überwältigende Begrüßung!
Schnell waren wir Frauen mit den Kindern im Jeep verstaut und er brachte uns zu der besagten Kamelstation. Von unserem Gepäck war zu diesem Zeitpunkt nicht viel übrig. Reisepässe, Wasser und Windel und der Lieblingsteddy für die Kinder. Das war in dem Moment wohl das Wichtigste!
Freudig wurden wir von den Saudis an der Station begrüßt und aufgenommen. Sie versorgten uns mit frischem Wasser und ganz wichtig, mit einem klimatisierten Raum, wo wir erst einmal durchatmen konnten. Die Männer waren in der Wüste zurückgeblieben und versuchten die Autos fahrbereit zu machen. Gleich machte sich ein Saudi mit seinem Geländewagen auf den Weg unsere Männer zu suchen und ihnen zu helfen. So dauerte es nicht lange, bis alle angefahren kamen. Die Autos etwas lädiert aber fahrbereit. Erleichtert fielen wir uns in die Arme, kühlten uns ab, tranken viel erfrischendes Wasser und in all den Wirren stellten wir plötzlich fest, dass unser Sohn mit einem hochroten Kopf und völlig apathisch da saß. Ohne viel nachzudenken holten wir kaltes Wasser, gossen es über seine Hände, kühlten sein Gesicht und seinen Kopf und so sahen wir erleichtert, dass er wieder in seinen Normalzustand zurückkam.
Gott sei Dank!
Aber hier konnten wir ja nicht bleiben, wir waren noch nicht am Ziel und mussten schnell weiter. Die Wachleute von der Grenzstation erklärten und zeigten uns in der Ferne den Weg, auf dem wir die sichere Grenze erreichen würden. Es war ein schmaler Sandstreifen auf Niemandsland, zwischen Kuwait und einem hohen Zaun, der Saudi Arabien angrenzte. Unser Adrenalinspiegel sprang wieder an das obere Limit und unter Hochspannung fuhren wir am Zaun entlang, wohl wissend, dass ein Stück weiter Panzerkanonen auf uns gerichtet waren. Es blieb ruhig und wir erreichten den Grenzübergang. Glücklich, dass wir endlich da waren, stürmten wir zur Grenzabfertigung und wollten Durchreisevisa bis wir einen Rückflug nach Deutschland bekommen würden. Doch mit hatten wir nicht gerechnet. Sie teilten uns mit, dass wir ein Einreisevisum vorweisen müssten, was natürlich nicht möglich war oder einen Nachweis, dass der Deutsche Staat bzw. die Deutsche Botschaft für uns verbürgen würden, falls Kosten durch unvorhergesehene Schwierigkeiten auftreten würden. Sonst müssten wir ein Sammellager in der Wüste, das aus Zelten bestand. Oh nein, wie konnten die so was verlangen, was überhaupt nicht möglich war? Und plötzlich sprach uns jemand mit einem amerikanischen Akzent an: „Hey Guys, where do you come from? Do you need help?“ Erstaunt drehten wir uns um und vor uns stand ein zwei Meter großer dunkelhäutiger Amerikaner und strahlte uns an. Ja, wir brauchten Hilfe und waren absolut bereit diese anzunehmen. Er meinte, dass die Abgesandten der Deutschen Botschaft schon nach drei Tagen wieder zurück nach Riyadh gefahren seien, weil sie nicht glaubten, dass Deutsche es wagen würden auf eigene Faust aus dem Land zu fliehen. Er war auch sehr überrascht, dass wir Frauen noch unseren Schmuck und unser Gold hatten, das wir am Körper trugen. Alle die wohl bis jetzt angekommen waren, wurde unterwegs von den Soldaten alles abgenommen. - Schon wieder Glück gehabt. - Er bot uns an, dass der Amerikanische Staat die Bürgschaft für uns übernehmen würde, und für alle etwaigen anfallenden Kosten aufkommen würde, die durch auftauchende Schwierigkeiten entstehen könnten. Wir konnten es kaum glauben. Danke! Wir bekamen die Einreise nach Saudi Arabien und waren erst einmal in Sicherheit. Geschafft! Wir fuhren ein paar Kilometer zu einem befreundeten Ehepaar, die kurz hinter der Grenze wohnten und arbeiteten und wurden begeistert mit offenen Armen empfangen. Als erstes zuhause anrufen und Bescheid geben, dass wir aus dem Kriegsgebiet sind und in Sicherheit vor dem Krieg. Dann in der Firma anrufen, auch dort machten sich viele Sorgen und ein Team war bereit uns zu unterstützen wo es nur ging. Jetzt übernahm die irdische Führung. Es wurde sofort ein Plan erstellt, wo wir als nächstes hinfahren, aus Deutschland wurden Hotelzimmer gebucht, bis wir in Riyadh angekommen waren. Ohne die Unterstützung aus Deutschland wäre es sehr schwierig gewesen in einem Hotel unterzukommen, denn alle Hotels waren mit amerikanischen Soldaten gefüllt, die mit Transportmaschinen wie an einer Perlenschnur eingeflogen wurden, was unsere Kinder stark beeindruckte und eingeschüchtert hat. Sie konnten das nicht als Sicherheitsangebot einschätzen. In Riyadh angekommen, kam auch gleich eine Einladung von einem Scheich, die wir annahmen, weil jeder wissen wollte, wie die Situation in Kuwait war und ob es Möglichkeiten gebe etwas zu unternehmen und Hilfe zu schicken. Auf dem Anwesen des Scheichs war ich schon sehr beeindruckt von dem Ambiente mit dem man sich umgeben kann. Schon der Weg zum Haus führte ein Stück über einen Rasen, der so weich war, dass jeder Schritt gepolstert war und man doch nicht einsank, die Teppiche im Haus boten den selben Comfort, man ging wie auf Wolken und konnte doch festen Untergrund erahnen. Auch hatte ich vorher noch nie unter vergoldeten Wasserhähnen meine Hände gewaschen. Es gibt schon viele Möglichkeiten sein Leben schön zu gestalten.
Wir haben auch gleich mit der Deutschen Botschaft Kontakt aufgenommen und ihnen mitgeteilt, dass es möglich sei über die Wüste aus dem Kriegsgebiet zu kommen, aber sie meinten, dass sie das Risiko nicht abschätzen könnten und so eine Aktion nicht unterstützen könnten, weil sie ja durch ihre Empfehlung die Verantwortung für die Menschen hätten die unterwegs wären. Ja, man kann eben niemand sagen, was er zu tun hat, man kann es nur selber für sich entscheiden.
Nach weiteren drei Tagen im Hotel in Riyadh hatten wir endlich einen Flug nach Deutschland und sind über einen Umweg der über Athen führte gut in Frankfurt angekommen. Dort wartete schon eine Flut von Journalisten, keine Ahnung woher sie wussten, wer wir waren und dass wir ankommen. In den kommenden Tagen waren unter aufmerksamkeitsheischenden Schlagzeilen interessante Geschichten zu lesen, über die wir uns selber wunderten. Unsere Männer wurden von der Firma bedrängt ein Interview im Fernsehen zu geben, dabei wurde so viel geschnitten, und nur übrig gelassen, was wohl für die Fernsehzuschauer gut war und in einem rechten Licht dargestellt wurde. Kritik an nicht versuchten Möglichkeiten wurde nicht gesendet genauso wenig wie die positiven Aussagen über die Hilfe, die von allen anderen Seiten kam, als von unserer eigenen Deutschen Seite.
Man sollte nie aufhören sich zu wundern!